Im Dezember: Avent und Weihnachten

Den Redlichen erstrahlt im Finstern ein Licht: der Gnädige, Barmherzige und Gerechte (Psalm 112)

"Sucht auch der Mensch nach GOTT, vielmehr sucht GOTT den Menschen.
Wer liebt dich schon mit reiner, aufrichtiger Liebe und sucht dich nicht nach seinem Geschmack und Willen zu finden? Zeigst du dich nicht zuerst und gehst auf die zu, die nach dir verlangen?" Johannes von Kreuz

Advent


Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird.
Und lauscht hinaus: den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.


Rainer Maria Rilke

Verse zum Advent
Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.
Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.
Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.


Theodor Fontane (1819-1898)
aus dem Roman Unwiederbringlich


Weihnachten


Das Wunder der Heiligen Nacht
Weihnachten ist das große Wunder
der vergebenden Gnade Gottes;
den verlorenen Leuten bietet ER ewiges Leben.
Das ist das Wunder der Heiligen Weihnacht,
dass ein hilfloses Kind unser aller Helfer wird.
Das ist das Wunder der Heiligen Nacht,
dass in die Dunkelheit der Erde die helle Sonne scheint,
Das ist das Wunder der Heiligen Nacht,
dass traurige Leute ganz fröhlich werden können.
Das ist das Wunder der Heiligen Nacht:
Das Kind nimmt unser Leben in seine Hände,
um es niemals wieder loszulassen.


Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910)